Kirchenkrippe

Die große „Giner-Krippe“ in der Pfarrkirche Inzing

 Durch das Bemühen Johann Schnaitters wurde um 1860 diese prachtvolle Kirchenkrippe bestellt. Sie ist ca. 6,5 m lang, 2,5 m tief und größtenteils zwischen 1860 und 1863 entstanden.

Die zirka 30-35 cm großen Zirbenholzfiguren schnitzte bis auf wenige Ausnahmen der Thaurer Künstler Johann Giner der Jüngere (1806-1870). Der hochbegabte jüngere Giner war zu dieser Zeit als „Störschnitzer“ tätig, d. h. er schnitzte vielfach nur mehr um Unterkunft, Verpflegung und Alkohol. Trotz seiner angeblichen Trunksucht zeigte sich Giner bei den Figuren der Inzinger Kirchenkrippe als würdiger Nachfolger seines Vaters Johann Giner d. Ä. (1756-1833). Seine Arbeiten in Inzing zählen zu den besten, die Giner der Jüngere in seinem unsteten Leben geliefert hat. Der damals in Innsbruck tätige Fassmaler Kirchstötter rundete mit einer schattierenden Ölfassung der Figuren dieses gelungene Werk ab.

Nachträglich wurden neun Engel bei Johann Laimgruber, vulgo Mundi (1823-1875), bestellt. Auch er gehörte zur großen Schnitzerdynastie des Krippendorfes Thaur.

91 Figuren und 50 Tiere verleihen derzeit der Krippe faszinierendes „Leben“. Zwei Kamele stammen nicht von Giner dem Jüngeren, sondern von Alexander Öfner (Xander) aus Zirl, der 1899 das erste Kamel nach einer „natürlichen“ Vorlage schnitzen konnte. Es war damals für die Krippeler ein außergewöhnliches Ereignis, als ein fahrender Wandertrupp mit einem Kamel durch Zirl zog. Man verfolgte das exotische Tier bis ins Inzinger Moos, um den Passgang zu studieren und anatomische Skizzen anzufertigen.

1916 schnitzte Xander auch für die Inzinger Kirchenkrippe zwei seiner berühmten Kamele. Die vorhandenen Giner-Kamele entsprachen in ihrem Aussehen nicht mehr den kritischen Blicken der damaligen Inzinger Krippeler. Sie wurden entfernt oder in die eher verborgenen hinteren Bereiche des großen Krippenberges verbannt und wie das liegende Abpackkamel und das Kamel eines reitenden Königs durch Xanderkamele ersetzt.

Die Schafe stammen vom Zirler Franz Schneider, vulgo Krain (1807-1879) und die Ziegen schnitzte J. Laimgruber v. Mundi aus Thaur.

Schafe von Franz Schneider („Krain“) um 1860
Anreitende Könige (Johann Giner d. J.)

Den ursprünglich 7 Meter langen und 2,50 Meter tiefen orientalischen Krippenberg baute 1860 im Inzinger Widum der aus Thaur stammende Matthias Zimmerling (1812-1869), der als Bahnbrecher für die damals neue Art der Krippenbaukunst angesehen werden kann. Vor allem für den großen Inzinger Krippenbergbauer „Sonneler“ (Kratzer Johann) wurde der Thaurer Berg richtungsweisend für seine späteren großartigen Werke. Der als Eremit bei der Romediuskirche in Thaur hausende Bruder Felix, wie er sich als Einsiedler nannte, widmete sich nach seiner Rückkehr von einer langen Pilgerreise ins Heilige Land (1851) dem orientalischen Krippenbau. Er vermengte in seinen Krippenbergen heimatliche und orientalische Bauelemente und gilt als Begründer der „Thaurer Krippenbergbauweise“.

Porträtfigur des Bergbauers Matthias Zimmerling, geschnitzt von Giner d. J. 1861

Giner hat „seinem“ Krippenbergbauer ein porträtähnliches Denkmal gesetzt: Der etwa 30 cm große, vollbärtige „Oansiedl“ ist im Franziskanerhabit mit Henkeltasche und Stock geschnitzt worden. Zimmerling selbst werkte 1860 im Inzinger Widumkeller an dem ursprünglich sieben Meter langen Berg und malte auch den Hintergrund dazu.

Die prachtvolle Inzinger Kirchenkrippe zählt zu den wertvollen Kulturgütern unseres Dorfes. Sie wird vom Inzinger Krippenverein betreut und erfreut jedes Jahr viele Krippenschauer aus Nah und Fern.